Dienstag, 30. September 2008

Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung?

Von Andreas Valentin

Mein Thema ist zur Zeit: Ist Heilung möglich durch Gegenwärtigkeit? In seinem neuen Buch „Eine neue Erde“ geht Eckart Tolle davon aus, dass nicht nur auf persönlicher Ebene, sondern auch auf kollektiver, der Schlüssel für Heilung im Gegenwärtigsein liegt. Sowohl das Ego, welches ein auf falschen Identifikationen beruhendes Gedankenwesen ist, wie auch der „Schmerzkörper“, sein Pendant auf der emotional-körperlichen Ebene, welche uns zusammen zu schädlichen Verhaltensmustern führen, können durch das Licht des Bewusstseins allmählich oder auch plötzlich aufgelöst werden.

Der mir derzeit wichtigste Aspekt hierbei ist das Loslassen, buddhistisch ausgedrückt, das Nichtanhaften. Das Festhalten an falschen Vorstellungen, vor allem über sich selbst, und auch das Festhalten auf der emotionalen Ebene, das sich oft in Suchterscheinungen ausdrückt. Während diese sich auf der körperlichen Ebene oft durch Abhängigkeit von z.B. Drogen, Alkohol oder Süßigkeiten äußern, steht in der Regel auf der emotionalen Ebene ein Mangelgefühl dahinter, welches zu einem zwanghaften Verlangen nach Liebe, Anerkennung oder Erfolg - manchmal sogar Machtbesessenheit - führt. Schon das Wort „Liebesentzug“ zeigt, dass auch hier Abhängigkeit leicht eine große Rolle spielt. Die Entzugserscheinungen äußern sich auf der Ebene des Schmerzkörpers, d.h. vielleicht durch Trauer oder Verzweiflung, aber auch durch körperlich spürbare Schmerzen, durch Krankheit - also letztlich durch Leiden.

Loslassen bedeutet hier für mich, durch Gegenwärtigkeit das übersteigerte Verlangen nach Liebe, Anerkennung etc. anzuschauen und es damit ein Stück weit aufzulösen. Hierbei hilft nach Tolle, sich auch die Symptome bewusst zu machen und, anstatt sie abzulehnen, sie anzuerkennen als Ausdruck der gegenwärtigen Situation. Das Entscheidende hierbei: Dies gibt uns gleichzeitig die Gelegenheit, uns als das erfahren, was wir wirklich sind: das Wahrnehmende. Das Bewusstsein selbst - die Gegenwärtigkeit. Lange habe ich mich gefragt, warum viele spirituelle Lehren davon ausgehen, dass für eine entscheidende Transformation des Bewusstseins die Erfahrung von tiefem Leid Voraussetzung ist. Nun ist mir klar geworden, dass es viel leichter ist, Leid durch Gegenwärtigkeit aufzulösen, als angenehme Dinge und Gefühle, von denen wir (nur scheinbar) abhängig sind, durch Gegenwärtigkeit loszulassen. Im Buch „Eine neue Erde“ stellt Tolle nun die These auf, dass der Bewusstseinswandel der Erde schon so weit in Gang gekommen ist, dass es zunehmend leichter wird, auch individuelle Transformation zu erfahren. Und dass es immer mehr Menschen gibt, denen dies auch ohne entsprechend tiefe Leiderfahrungen zuteil wird.

Falls Euch dieses Thema interessiert, könnte ich versuchen, dies noch etwas ausführlicher vorzubereiten. Auch für Anregungen hierzu im Vorfeld wäre ich dankbar.

Andreas

2 Kommentare:

  1. Lieber Andreas,

    ich fänd' es toll, wenn Du etwas dazu vorbereiten würdest!

    Mir stellt sich bei diesem Thema die Frage: wie mache ich das denn "Nichtanhaften", "Loslassen"
    ? Was passiert, wenn ich z.B. mit meinem alten Schuh oder meiner nicht so alten geplatzen Illusion gegenwärtig bin? Was passiert beim Gegenwärtigsein? Nichts? Etwas? Wie kann da überhaupt etwas passieren, wenn ich "nur" gegenwärtig bin?

    Gute Übungen und Impulse dazu gibt es meiner Meiung nach z.B. bei Wilfried Belschner: "Der Sprung in die Transzendenz. Die Kultur des Bewusstseins und die Entmystifizierung des Spirituellen". Wenn es Dich anspricht kann ich es sehr empfehlen.

    Freue mich, Euch alle wieder zu sehen!

    Herzliche Grüße
    Marion

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  2. Siehe auch in Gabrieles Post am 29.9. zum Thema Leere ...

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