Dienstag, 17. Februar 2009

Was heute passierte

Von Marie-Theres Dernbach

Als ich zur Arbeit fuhr in meinem klapprigen VW Bus sind plötzlich die Scheibenwischer ausgefallen und es ergoss sich ein flutschiger Schneeregen. Ich war spät dran, also fuhr ich weiter. Die wässrigen Flocken platschten auf meiner Scheibe auf, bildeten einen Krater und mäanderten in wunderschönen Strömen über meine Scheibe, vereinten sich mit anderen Strömen, nahmen immer mehr großflächig vernetzte Rinnsale auf und bedeckten meine Scheibe vollständig mit pulsierendem Fließen.

Es war ein Bild so umfangend und lebendig, das mit Leichtigkeit meine gesamte Aufmerksamkeit umfing und mich einschloss in dieses Wir. Wunderschön! Ich im Auto und mich umschließend dieses unendliche Zusammenfließen. Da passierte es von selbst, dass sich meine Augen weiteten, der Blick weich wurde und da war es möglich durch das Netzwerk hindurch gleichzeitig mein Auto durch das Straßenleben zu führen. Alles klarzuhaben, alle Hindernisse zu passieren, alle Teilnehmer zu würdigen obwohl mein Durchblick vollständig bedeckt war. Da war ein Sehen nicht fokusiert, ein Reagieren nicht kontrolliert, eine Bewegung ohne Anstrengung und ein Ankommen ohne Weg. Ich stieg aus und war immernoch ich selbst.

Marie-Theres

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.