Montag, 28. Oktober 2013

Offenes Wohnzimmer – was aus einem Funken des KIP geworden ist.

Peter (mein Mann) und ich haben im Sommer 2012 am Kongress für Integrale Politik (KIP) teilgenommen. Ein Vortrag von Susanne Wiest zum bedingungslosen Grundeinkommen hat uns sehr inspiriert. Beeindruckt hat uns vor allem Susannes Mut, inneren Handlungsimpulsen zu folgen.
Dabei ließ sie sich leiten von Fragen wie

Was macht mir Freude?
Was ist für mich leicht umzusetzen?
Welche Form entspricht meinen Fähigkeiten?

So entstand die Idee, mit der Grundfrage des Kongresses „Wie wir wirklich leben wollen“ zu „offenen Wohnzimmern“ einzuladen. Und zwar so: Wir luden Freundinnen und Freunde in unser Wohnzimmer ein. (Unser Wohnzimmer ist in der Grösse beschränkt. Also blieb die Sache überschaubar.

Peter und ich bereiteten uns vor, indem wir eine Struktur vorschlugen und die Leitung des Abends übernahmen. Das konnten wir bieten. Zum Essen nahmen alle etwas mit (Teilete). So bliebt der Aufwand für uns machbar. Das Risiko war klein: Wenn niemand gekommen wäre, hätten wir zu Hause etwas mit uns anzufangen gewusst. Wenn sich zu viele Menschen angemeldet hätten, hätten wir einfach einen weiteren Abend angeboten.

Susanne Wiest beim KIP 2012, Sankt Arbogast
An vier Samstag Abenden im letzten Spätsommer und Winter fanden „offene Wohnzimmer“ statt. Wir waren jeweils zwischen 5 und 12 Personen. An jedem Abend entstanden inspirierende Gesprächsrunden.

Als Beispiel die Struktur des 4. Abends (aus der Einladung):

17.45-18.00 Ankommen
18.00-19.00 Einstiegsrunde, in der wir Freudiges und Schmerzvolles miteinander teilen, unsere Anliegen formulieren und miteinander meditieren.
19.00-20.00 gemeinsames Essen, Teilete (alle bringen etwas mit)
20.00-22.00 World Café mit einem gemeinsamen Thema oder mit verschiedenen Themen. Wenn euch etwas beschäftigt, das ihr gern in der Gruppe vertiefen wollt, bringt es mit! 
ab 22 Uhr Ausklang

Diese Planung war als roter Faden gedacht. Wir haben an den ersten Abenden nach dem Nachtessen einen Film angeschaut (Vortrag von Susanne Wiest, Film über Transition Town). Es blieb dann nicht mehr viel Zeit zum Austauschen. Wir haben am letzten Abend viel Zeit fürs Gespräch reserviert, weil das ein allgemeines Anliegen zu sein schien. Am Anfang hatten wir mehr die Vorstellung, etwas bieten zu müssen. Mit jedem Abend wuchs der Mut, dem Gruppenprozess zu vertrauen und offen zu sein für das, was entstand.

Für die Gesprächsrunden achteten wir darauf, einen offenen Begegnungsraum zu schaffen, in dem wir einander achtsam zuhörten und in dem es nicht wichtig war, wer Recht hatte und was richtig oder falsch war. Wir wollten einander ermutigen, fühlend und wachsam in der Welt zu sein und unseren Beitrag zum Grossen Wandel, wie Joanna Macy unsere Zeit nennt, herauszufinden und zu leben.

Gastgeber für gute Gespräche zu sein - Art of Hosting - das ist eine Fähigkeit, die wir sehr gern weiter entwickeln wollten. Auch da haben uns die Erfahrungen am KIP mit ProAction Café und Open Space inspiriert. Leichtigkeit im Sinn der Richtlinien des Open Space war uns wichtig:
  • Die da sind, sind genau die Richtigen. 
  • Was immer geschieht, es ist das Einzige, was geschehen kann. 
  • Es fängt an, wenn die Zeit reif ist. 
  • Vorbei ist vorbei. 
Die Abende waren in sich geschlossen und konnten einzeln besucht werden. Das ermöglichte eine Teilnahme, ohne dass daraus gleich eine Verpflichtung wurde.

Wir haben jeden Abend als gelungen und inspirierend erlebt. Wir werden die offenen Wohnzimmer in diesem Winter wieder aufnehmen.

Rosmarie Flückiger Schmid und Peter Schmid  / >E-Mail

29.09.2013

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