Dienstag, 4. März 2014

Buchbesprechung "Wir sind der Wandel" von Paul Hawken

Paul Hawken: Wir sind der Wandel – Warum die Rettung der Erde bereits voll im Gange ist – und kaum einer es bemerkt. 


Das Buch des amerikanischen Journalisten und Umweltaktivisten Paul Hawken beschreibt die mittlerweile rollende „Bottom-up“ oder Grassroots-Bewegung, zu der unzählige einzelne Organisationen gezählt werden, die sich für soziale, kulturelle und ökologische Belange einsetzen. Hawken schätzt die Zahl dieser einzelnen Bewegungen auf etwa 2 Millionen und identifiziert sie als die "größte Bewegung in der Geschichte der Menschheit", die als eine Art Immunsystem der Erde fungiere. 
Im Verlauf des Buches stellt der Autor die Arbeit der Gruppierungen und einzelnen Aktivistinnen in einen weiteren philosophisch/biologisch/sozialen Kontext:
"Immanuel Kant und der französische Ökonom Jacques Turgot hatten sich vor zwei Jahrhunderten die Menschheit als System vorgestellt, das Eigenschaften wie ein lebender Organismus aufweist. Und sie waren nicht allein. Von Spinoza bis Gandhi, von Lewis Thomas bis Teilhard de Chardin befassten sich Philosophen, Religionslehrer und Wissenschaftler immer wieder mit der Frage, ob die gesamte Menschheit auf mysteriöse und unerklärliche Weise miteinander verflochten ist. »Wenn man sich die große Masse an menschlichen Gehirnen auf der Erde vorstellt, scheint sie sich wie ein zusammenhängendes lebendiges System zu verhalten«, schreibt Lewis Thomas." (aus: Oya Anders)
Trennung als solche und hier z.B. die Trennung der Menschen vom Staat oder den grossen Unternehmen, sieht Hawken als das Grundproblem der heutigen Menschheit und erinnert an die Verbundenheit allen Lebens als Einsicht aus Erleuchtung, nicht nur philosophisch sondern auch biologisch. Aus dieser nicht getrennten Weltsicht heraus vergleicht er das Aufkommen und den Einsatz der nicht zentral gesteuerten, unterschiedlichen Bewegungen mit dem komplexen Immunsystem im menschlichen Körper, das seine Elastizität und Abwehr nutzt, um gegen die Bedrohungen des Lebens - die korrupte Politik, die dahinsiechende Wirtschaft und die Zerstörung der Umwelt - eine effektive Abwehrreaktion in Gang zu setzen.

Der Planet brauche Verbündete und bitte uns um Hilfe. Er brauche Ruhe und Erholung und einen respektvollen Umgang. Er brauche, dass wir alle mit ihm zusammenarbeiten und uns engagieren.
„Wenn wir versuchten, unseren Körper bewusst zu beherrschen, würden wir sterben, genauso wie der Planet stirbt. Wir steuern unseren Körper deshalb nicht, weil wir es nicht können. Wir können ihn beschützen und nähren, ihm zuhören und für ihn sorgen – mit Essen, Schlaf, Gebet, Freundschaft, Lachen und körperlicher Bewegung“. 
Hawken behauptet, die »Rettung der Erde« sei längst in Gang gesetzt worden ' und zwar durch »die größte soziale Bewegung, die es je gab«.

Und hier noch eine Zitat-Perle aus dem Buch:
"Bisher hat noch keine Kultur das Dilemma gelöst, dem sich jede mit der Entwicklung eines Bewusstseins konfrontiert gesehen hat: wie man ein moralisches und mitfühlendes Leben führen kann, wenn man dauernd das Blut, das Entsetzen, das allem Leben innewohnt gewahr wird, wenn man Finsternis nicht nur in der eigenen Kultur, sondern in sich selbst entdeckt. Wenn es einen Punkt gibt, an dem ein Einzelleben wirklich erwachsen wird, muss es der sein, wo man die Absurdität in seiner Entwicklung begreift und Verantwortung für ein inmitten solcher Paradoxa gelebtes Leben übernimmt. Man muss mitten im Widerspruch leben, weil das Leben wenn der Widerspruch getilgt würde, zusammenbräche. Auf einige der grossen, drängenden Fragen gibt es einfach keine Antworten. Du musst sie weiterhin ausleben und dein Leben zu einem wertvollen Ausdruck der Neigung zum Licht machen." – Barry Lopex, Arktische Träume
Das Buch ist gut recherchiert, äusserst engagiert und spannend zu lesen.

Cecil Cassini
Marion Reker

Paul Hawken (65) ist Umweltaktivist, Unternehmer, Journalist und Autor. Er berät Firmen und Regierungen in Nachhaltigkeitsfragen. In den 60er Jahren war er in der Bürgerrechtsbewe­gung um Martin Luther King aktiv, später bereiste er als humanitärer Helfer und Fotojournalist Krisen- und Kriegsgebiete. 
In dem einflussreichen Buch »Wir sind der Wandel« beschreibt Hawken die von ihm identifizierte größte Bewegung in der Geschichte der Menschheit als eine Art Immunsystem der Erde. »Die Bewegung« besteht aus bis zu zwei Millionen Einzelbewegungen, die sich weltweit für ökologische, soziale und kulturelle Gerechtigkeit einsetzen. So wie weiße Blutkörperchen im menschlichen Körper greifen sie im Organismus Erde überall dort ein, wo Gefahr durch Umweltzerstörung, Gewalt und soziale Ungerechtigkeit droht. 

Über einhunderttausend solcher Einzelbewegungen sind bei »­WiserEarth«, einem von Hawken gegründeten sozialen Netzwerk für Nachhaltigkeit, registriert. Die Ökologie-Zeitschrift »Utne Reader« erkor Paul Hawkenzu einem der einhundert Visionäre, die unser Leben verändern können. Seine Bücher wurden in 26 Sprachen übersetzt und sind in über 50 Ländern erhältlich. Er lebt in Kalifornien. (Bio aus:  Oya Anders)

www.paulhawken.com 

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